Podcast Aufnahme retten: Qualität verbessern wenn es rauscht, stottert oder dumpf klingt

Du hast eine spannende Podcast-Folge aufgenommen und merkst erst im Nachhinein beim Schneiden, dass die Aufnahme rauscht, dröhnt oder stottert? In diesem Beitrag stellen wir dir einige praktische Tricks vor, wie du die Qualität deiner Aufnahme selbst mithilfe kostenloser Tools ein ganzes Stück optimieren kannst.

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Die häufigsten Tonprobleme

In unserer täglichen Arbeit als AudioproduzentInnen bekommen wir die verschiedensten Arten von Interview-Material angeliefert. Trotz unserer Bemühungen, die Aufnahmesituation unserer KundInnen schon im Vorfeld zu optimieren und damit typische Störquellen während der Aufnahme der Podcasts auszuschließen, kommt es immer wieder vor, dass wir diese nachträglich einem aufwändigen technischen Verfahren unterziehen müssen, um eine sendefähige Qualität zu erreichen.

Dabei treten die häufigsten Probleme bei Podcasts auf, die remote über das Internet aufgenommen werden. Hierbei werden auf Seiten der Gäste meistens keine guten Mikrofone genutzt, wodurch es zu Problemen im Frequenzgang kommen kann. So kommt es bei der Nutzung von Headsets, die eigentlich eher zum telefonieren entwickelt wurden, oft zu einem blechernen Klang, weil hohe Frequenzen überbetont werden. Beim Benutzen von günstigen USB-Mikrofonen haben wir es dagegen oft mit einem starken Dröhnen zu tun, weil tiefe Frequenzen hier meistens viel zu dominant aufgenommen werden. Mikrofone von niedriger Qualität neigen außerdem oft zu einem starken Eigenrauschen. Dazu kommen meist auch Verbindungsprobleme, wenn während der Podcast-Aufnahme die Internetverbindung schwächelt.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass Videochat-Programme, wie Zoom, Skype u.ä. nicht für die Aufnahme von Podcast-Interviews geeignet sind, da diese nur eine unzureichende Tonqualität bieten. Bei Tonaussetzern erzeugen diese oft auch künstliche Überbrückungsgeräusche, die sich nachträglich nur mit großem Aufwand manuell entfernen lassen. Bei der Nutzung das Aufnahme-Tools Studio-Link dagegen, das eine sehr gute Tonqualität bietet, wird die Übertragung bei einer schwachen Internetverbindung kurz pausiert und bei Wiederherstellung der Verbindung fortgesetzt. Die dadurch entstehenden Pausen lassen sich automatisiert meist recht gut entfernen. Mehr zur Verwendung des Tools Studio-Link für die Aufnahme von Remote-Interviews erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Im Folgenden stellen wir euch für die üblichsten tontechnischen Probleme Stottern, Rauschen, blecherner Klang und leise Aufnahmen einfacher Tricks vor, um diese zu beheben oder zumindest zu reduzieren. Wir nutzen dafür in diesem Tutorial das kostenlose Schnittprogramm Audacity, das unter www.audacityteam.org heruntergeladen werden kann. Ein ausführliches Audacity-Tutorial für EinsteigerInnen findest du in diesem Beitrag.

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Rauschen reduzieren

Rauschen entsteht vor allem bei Mikrofonen von schlechter Qualität und insbesondere bei solchen mit einer kleinen Mikrofonkapsel, wie Headsets oder kleiner Tischmikrofone. Rauschen lässt sich grundsätzlich in einer fertigen Aufnahme nicht gänzlich entfernen, sondern nur reduzieren. Das Reduzieren von Rauschen wird effektiver, wenn das Rauschen konstant ist, das heißt über die gesamte Aufnahme sowohl vom Klang als auch von der Lautstärke her gleich bleibt.

Um das Rauschen in einer Podcast-Aufnahme zu reduzieren, kannst du in Audacity den Effekt “Rausch-Verminderung” nutzen. Dazu musst du zunächst die gesamte Tonspur markieren, im Menü “Effekt” den Effekt Rausch-Verminderung auswählen und auf “Rauschprofil ermitteln” klicken. Dieser Schritt darf nicht übersprungen werden, denn Audacity muss vor der Anwendung des Effekts lernen, wie genau das Rauschen klingt, um es anschließend effektiv aus der Aufnahme herauszufiltern.

Nachdem du das Rauschprofil ermittelt hast, kannst du den Teil der Aufnahme markieren, in dem das Rauschen vorkommt. Wenn das Rauschen über die ganze Tonspur hinweg zu hören ist, kannst du diese komplett markieren. Anschließend musst du noch einmal auf das Menü “Effekt” gehen und den Effekt Rausch-Verminderung erneut öffnen. Nun kannst du im Schritt 2 die Stärke der Rauschverminderung einstellen. Bitte beachte, dass bei einer zu starken Rauschverminderung die Qualität des gesamten Podcasts leidet, weil dadurch die Stimme des Gastes angegriffen wird. Ein Wert von 10 dB ist ein guter Ausgangspunkt. Für die Empfindlichkeit ist 6 ein guter Wert und bei einem leistungsfähigen Computer kannst du 12 Frequenzbänder nutzen. Anschließend  musst du nur noch auf OK klicken und der Effekt wird angewandt.

Stottern in der Aufnahme entfernen

Das Stottern in einer Aufnahme tritt fast ausschließlich bei Podcasts auf, die remote über das Internet aufgenommen werden. Ursache dafür ist eine teilweise unterbrochene Internetverbindung. Sobald die Internetverbindung ausfällt, kann kein Audiosignal mehr übertragen werden und es kommt zu einem kurzen Aussetzer. Diese Aussetzer werden von den für Podcast-Aufnahmen ungeeigneten Videochat-Tools, wie Zoom etc. durch ein metallisches Überbrückungsgeräusch überbrückt, das sich mit der hier vorgestellten Methode leider nicht entfernen lässt.

Bei für Podcast-Aufnahmen entwickelten Tools, wie z.b. Studio-Link, ist an dieser Stelle tatsächlich nur Stille zu hören und diese lässt sich automatisiert mit Audacity entfernen. Dazu nutzen wir den Effekt “Stille kürzen”. Dieses Werkzeug erkennt alle Teile in der Aufnahme, die unterhalb eines bestimmten Grenzwertes liegen (und damit als Stille erkannt werden) und streicht diese auf einen fest eingestellten Wert zusammen. Da die kurzen Aussetzer von Studio-Link totale Stille enthalten und bei normalen Gesprächspausen immer ein leichtes Grundrauschen zu hören ist, können wir hier einen sehr niedrigen Grenzwert, wie z.B. -70 dB eintragen. Als minimale Dauer wählen wir 0,001 Sekunden, da dies der niedrigste Wert ist, den Audacity zulässt und wir somit auch die kürzesten Aussetzer erfassen. Im Bereich Aktion wählen wir “erkannte Stille abschneiden” aus und tragen ein “kürzen bis 0 Sek”. Damit werden die erkannten Stilleabschnitte gänzlich herausgeschnitten.  Falls hierbei auch kurze Gesprächspausen mit entfernt werden, ist eine Erhöhung des Grenzwertes nötig, z.B. auf -50 dB.

Dröhnen oder blechernen Klang reduzieren

Dröhnen oder ein blecherner Klang sind in der Regel auf minderwertige Mikrofone zurückzuführen. Für die Aufnahme von Podcasts eignen sich am besten dynamische Gesangsmikrofone oder USB-Großmembranmikrofone. Eine Auswahl geeigneter Mikrofone und Aufnahmegeräte stellen wir dir in diesem Beitrag vor. Trotzdem kommt es gelegentlich vor, dass vor allem Interview-Gäste über keine gute Ausrüstung verfügen und der Klang diese Aufnahmen daher nicht optimal ist. Ein blecherner Klang wird vor Allem von sehr kleinen Mikrofonkapseln hervorgerufen, wie sie z.B. in Headsets verbaut sind, und ein starkes Dröhnen, also eine Überbetonung der Bässe, tritt insbesondere bei billigen USB-Großmembranmikrofonen auf.

Diese überbetonten Frequenzen können wir mit dem Effekt Equalizer ein wenig reduzieren. Wir müssen dazu nur die gesamte Aufnahme markieren und im Menü “Effekt” den Effekt “Equalizer” öffnen. Danach öffnet sich ein eine Art Diagramm, das auf der x-Achse das gesamte Frequenzspektrum deiner Podcast-Aufnahme abbildet. Wir können nun einzelne Punkte in dieses Diagramm einzeichnen und damit die Kurve wie gewünscht modellieren.  Bei einem Dröhnen z.B. sollten alle Frequenzen unterhalb von 200 Hz leicht abgesenkt werden. Bei einem blechernen Klang hingegen sollten alle Frequenzen zwischen 5 und 10 kHz reduziert werden. Hier hilft oft ausprobieren – ein pauschaler Ratschlag kann leider nicht gegeben werden. Über den Button “vorhören” kannst du dir anhören, wie deine Aufnahme nach der Bearbeitung klingen würde.

Aufnahme lauter und kräftiger machen

Bei einem natürlichen Gespräch entsteht meistens eine große Dynamik, d.h. es gibt sehr leise Stellen und sehr laute Stellen darin. Das fällt uns im normalen Alltag kaum auf, da das menschliche Gehör sehr empfindlich ist. Ein Mikrofon hingegen besitzt eine deutlich geringere Empfindlichkeit und reagiert noch dazu stark auf den Sprechabstand. Daher kann es leicht passieren, dass bestimmte Stellen der Podcast-Aufnahme  viel zu leise klingen, wenn man sich diese über Kopfhörer oder Lautsprecher erneut anhört.

Dagegen hilft der Effekt Kompressor. Mit Hilfe des Kompressors werden besonders laute Teile der Podcast-Aufnahme in ihrer Lautstärke reduziert und die gesamte Aufnahme anschließend wieder im Pegel angehoben. Dadurch wird der Unterschied zwischen den lautesten und den leisesten Stellen deutlich geringer und die Aufnahme klingt insgesamt harmonischer, kräftiger und subjektiv auch lauter. Um den Effekt Kompressor anzuwenden, müssen wir die gesamte Tonspur in Audacity markieren, das Menü “Effekt” öffnen und dort den Effekt “Kompressor” auswählen.

Ein guter Standardwert für den Grenzwert sind -12 dB.  Das ist das Level, ab dem ein Teil der Aufnahme als laut erkannt und daher abgesenkt wird. Wenn der Grenzwert zu niedrig ist, wird die Aufnahme unnatürlich stark verdichtet, wenn er dagegen zu hoch ist, wirst du kaum einen Unterschied bemerken. Für das Grundrauschen sind -50 dB eine gute Standardeinstellung. Das “Verhältnis” sollte bei 2:1 liegen. Dieser Wert gibt an, wie stark die lauten Stellen abgesenkt werden. Für einen besonders harmonischen Klang sollten die Ansprech- und Abklingzeiten so kurz wie möglich gewählt sein, bei Audacity sind das 0,1 Sekunden bzw. 1 Sekunde. Wichtig sind noch die Häkchen bei “Anhebung auf 0 dB nach dem komprimieren” und “kurze Spitzen berücksichtigen”. Mit einem Klick auf OK wird der Effekt Kompressor angewandt. Falls die Aufnahme immer noch eine zu große Dynamik aufweisen sollte, kannst du den Effekt erneut anwenden.

Mastering mit Auphonic

Neben dem Schnittprogramm Audacity eignet sich auch das in der Basisversion kostenlose Masteringtool Auphonic sehr gut für EinsteigerInnen. Auphonic optimiert den Klang deiner Podcast-Aufnahmen mithilfe eines automatischen Algorithmus. Dabei kannst du zwar keine Wunder erwarten, denn Auphonic wendet vergleichsweise sanfte Algorithmen an, aber es kann sich durchaus lohnen, die fertige Aufnahme anschließend noch einmal mit Auphonic zu bearbeiten und zu prüfen, ob das Ergebnis besser klingt, als das Ausgangsmaterial. Auf der Webseite von Auphonic kannst du auch einige Hörbeispiele anhören, um die Wirkung der Effekte besser zu verstehen.

Fazit

Eine gute Tonqualität wird ein immer entscheidenderer Faktor dafür, ob ein Podcast bei den HörerInnen gut ankommt und auch tatsächlich bis zum Ende durchgehört wird. Deshalb ist es wichtig, sich bereits vor der Aufnahme Gedanken über die Technik zu machen und ggf. den Rat einer Expertin oder eines Experten hinzuzuziehen. Wenn eine Aufnahme bereits erfolgt ist und diese technische Probleme aufweist, können diese mit einigen einfachen Tools reduziert werden. Das hier vorgestellte Programm Audacity eignet sich dabei v.A. für EinsteigerInnen, die sich selbst in der Optimierung von Podcast-Aufnahmen ausprobieren möchten.

Wenn es um eine detailliertere Bearbeitung der Aufnahmen und ein professionelles Mastering geht (inkl. der Angleichung des Sounds verschiedener Tonspuren und das Herstellen eines prägnanten Klangbildes), können wir dich gern unterstützen. Wir nutzen für die Produktion der Podcast-Folgen unserer KundInnen das in der Radiobranche etablierte Programm Avid Pro Tools, das eine ganze Reihe ausgefeilter Funktionen bietet, mit denen wir deine Podcast-Aufnahme noch weiter optimieren können. Gerne beraten wir dich zu unseren Produktionsservices und machen dir ein individuelles Angebot. Lass uns dazu einfach eine Nachricht zukommen und wir besprechen gemeinsam, wie wir dich am besten unterstützen können.

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