Podcast, KI und Videopodcast: Wie die deutsche Grassroots-Szene den Wandel meistert

Die Podcast-Welt verändert sich rasant: Künstliche Intelligenz, Videopodcasts auf YouTube, Short-Form-Content und neue Plattform-Algorithmen stellen gerade alles auf den Kopf. Im Gespräch zwischen Kurt vom Content Marketing Podcast „Hier spricht Kurt“ und Gio, dem Initiator des Podfluencer Festivals, wird deutlich, wie die deutsche Podcast Community damit umgeht – und warum gerade die unabhängige Grassroots-Szene wichtiger ist denn je.

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Gio ist Host des Podcasts „So geht Podcast“, aktiver Teil der deutschen Podcast Community und Mitinitiator des Podfluencer Festivals in München. Gemeinsam mit seinem Team – unter anderem aus der Steiermark – hat er ein unabhängiges Podcast-Event aufgebaut, das bewusst nicht an große Plattformbetreiber gekoppelt ist. Dort treffen sich Indie-Podcasterinnen und -Podcaster, die neben Job und Alltag mit viel Herzblut ihre Formate produzieren – vom LKW-Fahrer bis zur Verkäuferin.

Das Podfluencer Festival ist ein Paradebeispiel dafür, wie lebendig die deutsche Grassroots-Podcast-Szene ist. Kein Konzern im Hintergrund, keine große Plattform als Veranstalter, sondern ein Team aus Podcasterinnen und Podcastern, die selbst „das Festival bauen, das sie gern besuchen würden“. Genau diese unabhängige Podcast Community sorgt dafür, dass das Medium Podcast nicht zu einem reinen Industriezirkus verkommt, sondern ein Raum bleibt, in dem Leidenschaft, Nische und Persönlichkeit zählen. Auf dem Festival begegnen sich Menschen, die im „echten Leben“ LKW fahren, im Drogeriemarkt arbeiten oder ganz andere Jobs haben – und sich im Podcast kreativ austoben. Für viele fühlt sich das Event an wie eine Klassenfahrt: Man kennt sich aus den Feeds, hört sich seit Jahren zu und trifft sich endlich live. Solche Grassroots-Events halten die Szene menschlich, offen und ermutigend. Sie geben auch kleineren Indie-Podcasts eine Bühne, die sie auf den großen Plattformen kaum bekommen.

Videopodcast und YouTube: Der größte Trend mit dem größten Einfluss

Ein zentraler Trend, den sowohl Kurt als auch Gio beobachten: Der Videopodcast. Immer mehr Hörerinnen und Hörer konsumieren Podcasts als Video – vor allem auf YouTube. In den USA ist YouTube bereits die wichtigste Podcast-Plattform, in Deutschland liegt sie nur knapp hinter Spotify. Wer hier nicht präsent ist, lässt potenziell enorme Reichweite liegen. Gio selbst hat erst Ende 2024 konsequent mit wöchentlichen Videopodcasts begonnen. Seine Erkenntnis: Ja, Videopodcast ist mehr Arbeit als ein reiner Audio Podcast – Kamera, Licht, Bildgestaltung, Schnitt – aber es zahlt sich aus. Gerade in Kombination mit YouTube Shorts entsteht eine starke Wachstumsmaschine: Aus Video-Interviews lassen sich kurze Clips schneiden, die als Shorts auf YouTube und parallel auf TikTok und Instagram Reels gespielt werden. Diese Kurzvideos lassen sich sogar mit der vollständigen YouTube-Folge verknüpfen – ein idealer Funnel, um neue Hörer in den Podcast zu ziehen. Wer heute mit einem Podcast startet, sollte Videopodcast zumindest strategisch mitdenken. Aber: „Müssen“ muss niemand. Für viele Einsteiger ist es sinnvoll, erst im Audioformat sicher zu werden, bevor Kamera und Studio-Look dazukommen. Wichtig bleibt: guter Inhalt, klare Idee, wiedererkennbare Persönlichkeit. Technik ist nur das Werkzeug, nicht der Kern.

KI im Podcasting: Vom Recherche-Helfer bis zum Workflow-Booster

Künstliche Intelligenz ist momentan eines der heißesten Themen der Podcast Szene. Auf dem Podfluencer Festival waren Workshops zu KI, Stimme, Sprache, Storytelling und Recht besonders gefragt. Tools wie Auphonic (für Tonoptimierung) setzen seit Jahren auf AI, lange bevor der aktuelle Hype begann. Heute kommen ständig neue KI-Tools dazu, die Podcaster beim Podcast Workflow unterstützen – von der Ideenfindung über Recherche bis zur Content-Weiterverwertung. Für die Themenrecherche nutzen viele Podcaster inzwischen KI-Chatbots wie ChatGPT und Perplexity. Perplexity eignet sich besonders gut, um gezielt zu recherchieren und Quellen direkt zu prüfen. Wichtig ist dabei das Bewusstsein für Halluzinationen: KI erfindet gerne Fakten und Namen. Deshalb gilt: Alles gegenprüfen, insbesondere, wenn Personen, Zitate oder konkrete Daten genannt werden. KI ist hier Sparringspartner, nicht Faktenbibel. Ein großer Gamechanger sind Custom GPTs für wiederkehrende Aufgaben: Wer etwa regelmäßig Interviews führt, kann sich ein eigenes GPT bauen, das anhand definierter Parameter Fragenvorschläge liefert, Episodentitel anregt oder Beschreibungstexte strukturiert. So startet man nie bei null, sondern hat immer eine solide Grundlage, die man individuell anpassen kann. Das Ergebnis bleibt menschlich-authentisch – aber der Weg dorthin wird deutlich schneller.

Vom Audio zum Content-Ökosystem: Transkripte, Clips und Social-Media-Recycling

Eine der stärksten Einsatzmöglichkeiten von KI im Podcasting liegt in der Weiterverwertung von Audio Content. Aus einer Episode kann mit den richtigen Tools ein komplettes Content-Ökosystem entstehen: Transkript, Blogartikel, Social-Media-Posts, Reels, Hooks, Newsletter-Snippets und vieles mehr. Genau hier kommen spezialisierte KI-Tools ins Spiel. Riverside – mit dem auch das Interview zwischen Kurt und Gio aufgenommen wurde – bietet mittlerweile automatische Transkription, KI-Clip-Generatoren und eine deutschsprachige Oberfläche. Wer kein Riverside nutzt, kann auf Tools wie TurboScribe zurückgreifen, um Audio in Text zu verwandeln. Für Social Media gibt es Dienste wie Opus Clip, die automatisiert kurze Videoausschnitte aus langen Interviews generieren. Wichtig ist dabei die richtige Haltung: KI ersetzt nicht den kreativen Prozess, sie beschleunigt ihn. Wer seine eigene Stimme, seine Meinung und sein Storytelling kennt, nutzt KI, um Strukturen, Formulierungen, SEO-Keywords und Ideen zu schärfen – nicht, um generische Massenware zu produzieren. Denn die zahllosen farblosen KI-Kanäle im Netz zeigen deutlich, wie Inhalte wirken, wenn Persönlichkeit fehlt.

Technik und Tools: Stabilität vor Hype – und warum Fehler wertvoll bleiben

Beim Thema Schnitt und Nachbearbeitung lohnt sich eine klare Trennung: Online-Tools sind praktisch für schnelle Ergebnisse, stoßen aber bei Qualität und Flexibilität an Grenzen. Wer seinen Videopodcast professionell aufbauen will, fährt mit stationären Programmen wie DaVinci Resolve oder Premiere besser. DaVinci erlaubt es, Templates und wiederkehrende Elemente anzulegen – Bauchbinden, B-Rolls, Text-Einblendungen –, was den Videopodcast-Workflow auf Dauer massiv beschleunigt. KI-Funktionen sind inzwischen auch dort integriert, etwa für automatisches Ausschneiden von Sprechern oder smarte Schnitte. Im Audiobereich hilft ein Mix aus klassischen Tools und KI: Auphonic sorgt für saubere Normalisierung und Lautheit, Resound FM kann Rauschen oder Versprecher herausarbeiten, Automatisierungstools wie n8n oder Make entlasten im Hintergrund (zum Beispiel beim Verteilen von Dateien oder beim Posten neuer Episoden). Der entscheidende Punkt: nicht jedem neuen Tool hinterherlaufen, sondern einen schlanken, stabilen Podcast Workflow aufbauen, der zu den eigenen Ressourcen passt. Und bei aller Technik: Fehler, Ecken und Kanten bleiben ein großes Plus. Gerade im Zeitalter perfektionierter KI-Inhalte werden menschliche Versprecher, Lacher, Emotionen und kleine Unsicherheiten zum Alleinstellungsmerkmal. Eine KI versucht immer, alles „richtig“ zu machen – aber Zuhörer verbinden sich mit Menschen, nicht mit makellosen Stimmen ohne Seele. Diese Verletzlichkeit lässt sich nicht so einfach simulieren und wird für Podcaster in Zukunft eher wertvoller als überflüssig.

Algorithmus, Gatekeeper und Sichtbarkeit: So bleiben kleine Podcasts im Spiel

Ein kritischer Punkt, den Gio anspricht, betrifft die Rolle der Plattformen. Spotify, YouTube und Co. entscheiden mit ihren Algorithmen darüber, welche Podcasts sichtbar sind. Immer öfter werden exklusive Eigenproduktionen und große Shows prominent gefeatured, während kleine Indie-Podcasts selbst nach 100 Folgen unsichtbar bleiben. Das ursprünglich basisdemokratische Medium droht so, seine Offenheit zu verlieren. Deshalb sind alternative Bühnen wie Podcast Festivals, Community-Events und Graswurzel-Projekte so wichtig: Sie machen kleine Formate sichtbar, vernetzen Hosts untereinander und geben ihnen Reichweite jenseits der Startseiten großer Plattformen. Trotzdem bleibt die Frage: Was können kleine Podcaster selbst tun, um Reichweite aufzubauen? Gios Empfehlungen für neue Podcasts: Erstens, Vernetzung. Wer nur im stillen Kämmerlein produziert, „als gäbe es den Podcast gar nicht“, wird kaum gefunden. Gastauftritte in anderen Formaten, Einladungen von Gästen mit eigener Community und aktiver Austausch in der Podcast Community sind zentrale Wachstumstreiber. Zweitens, SEO und Keywords gezielt nutzen – in Titel, Shownotes, YouTube-Beschreibungen und Podcast-Beschreibungen. Drittens, lokale Nischen besetzen: Ein Podcast über den eigenen Fußballverein oder die eigene Stadt hat eine realistische Chance, vor Ort eine treue Community aufzubauen, insbesondere wenn man Vereine, lokale Medien und Institutionen einbindet. Spannend ist der Tipp, Podcasts auch „offline“ zu denken: Mikrofon einpacken, ins Stadion oder auf Veranstaltungen gehen, Menschen vor Ort interviewen. Wer Fans und Beteiligte direkt einbindet, macht sie zugleich zu Hörerinnen und Multiplikatoren. So entsteht eine natürliche Verbindung zwischen realer Welt und Podcast-Welt – weit weg vom reinen Algorithmus-Poker.

Fazit: Podcasting zwischen KI-Hype und menschlicher Nähe

Die deutsche Podcast Szene steht an einem spannenden Punkt: KI-Tools, Videopodcasts, YouTube Shorts und Plattformalgorithmen verändern das Spielfeld. Doch gerade im Gespräch zwischen Kurt und Gio wird klar: Das Herz des Podcastings schlägt weiterhin in der Grassroots-Community. In den kleinen Kämmerlein, in den improvisierten Studios, bei unabhängigen Events wie dem Podfluencer Festival und in all den Formaten, die aus Leidenschaft statt aus reinen Reichweitenzielen entstehen. Wer heute einen Podcast startet oder seinen bestehenden Podcast weiterentwickeln will, sollte KI und Videopodcast als Chancen verstehen – nicht als Bedrohung. Smarte Tools können Recherche, Transkripte, Schnitt und SEO vereinfachen, YouTube und Shorts können neue Hörergruppen erschließen. Entscheidend bleibt aber, was zwischen den Ohren passiert: Persönlichkeit, ehrliche Geschichten, klare Haltung und die Bereitschaft, sich zu zeigen – mit allen Fehlern, Ecken und Kanten. Denn genau das ist es, was KI auf absehbare Zeit nicht ersetzen kann.

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