Finanzplanung, Finfluencer und Finanzbildung: Wie ein Certified Financial Planner die Finanzwelt erklärt

Finanzthemen boomen: Von Finfluencern auf TikTok bis ETF-Gesprächen im Freundeskreis – Geld ist vom Tabuthema zum Dauerbrenner geworden. Gleichzeitig fehlt vielen Menschen in Deutschland genau das, was sie eigentlich bräuchten: solides Grundlagenwissen zur Finanzplanung und Altersvorsorge. In diesem Beitrag zeigen wir, warum professionelle Finanzplanung so wichtig ist, wie ein Certified Financial Planner arbeitet und welche Rolle unabhängige Finanzbildung – auch über Podcasts – heute spielt.

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Marcel ist Certified Financial Planner und stellvertretender Vorstand beim Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB). Seine Ausbildung folgt internationalen Standards aus den USA, wo der CFP als „Königsklasse der Beratung“ gilt und Honorarberatung deutlich verbreiteter ist als in Deutschland. Statt einzelner Produktverkäufe steht bei ihm eine ganzheitliche Finanzplanung im Mittelpunkt: Ziele klären, Lebensphasen verstehen, Portfolio und Altersvorsorge strategisch aufbauen – vom ETF-Sparplan über Vermögensstruktur bis zu Nachfolge- und Erbschaftsplanung.

Der Titel Certified Financial Planner klingt für viele nach „jemand, der gut mit Geld umgehen kann“. Doch tatsächlich steckt dahinter ein weltweit etabliertes Qualitätsmerkmal für ganzheitliche Finanzplanung. Anders als bei punktueller Finanzberatung geht es nicht um den schnellen Produktverkauf, sondern um eine umfassende Planung: Ziele, Lebensphasen, Steuern, Altersvorsorge, Vermögensstruktur und Absicherung müssen zusammenpassen. In den USA gilt der CFP als „Königsklasse der Beratung“, eng verknüpft mit honorarbasierter Finanzberatung und kapitalgedeckter Altersvorsorge. In Deutschland ist der Begriff „Finanzplanung“ dagegen nicht geschützt – ein Grund, warum Qualitätsstandards wie die CFP-Zertifizierung hier bislang weniger sichtbar sind. Wer sich beraten lässt, sollte deshalb genau hinsehen, wie unabhängig die Beratung wirklich ist und welche Qualifikation dahintersteht.

Honorarberatung, Provisionen und Finanzlobby: Warum Unabhängigkeit in der Finanzplanung zählt

Ein zentraler Unterschied zwischen Ländern wie den USA oder den Niederlanden und Deutschland liegt im Vergütungsmodell der Finanzberatung. Während dort Honorarberatung verbreitet ist, dominiert in Deutschland nach wie vor die provisionsgetriebene Beratung. Das führt zu einem strukturellen Interessenkonflikt: Wer über Provision bezahlt wird, hat einen Anreiz, bestimmte Produkte zu verkaufen – nicht unbedingt die besten Lösungen für den Kunden. Die Niederlande sind hier weiter: Dort ist Provisionsberatung seit 2011 verboten, was zu einem deutlichen Anstieg von Certified Financial Plannern geführt hat. Das zeigt, wie sich ein Markt verändert, wenn sich Berater über Qualität und Qualifikation statt über versteckte Kosten profilieren müssen. Für Kunden bedeutet das: Wer auf Honorarbasis bucht, kauft in der Regel echte Unabhängigkeit, weil nicht die Provision, sondern das Kundeninteresse im Vordergrund steht.

Finfluencer und Social Media: Segen und Fluch der neuen Finanzberatung

Die Finfluencer auf TikTok, Instagram oder YouTube haben eines zweifellos erreicht: Junge Menschen interessieren sich heute deutlich stärker für Kapitalanlage, ETFs, Kryptowährungen und Altersvorsorge als noch vor wenigen Jahren. Anstatt einfach zur Bank zu gehen und den nächsten Bausparvertrag zu unterschreiben, stellen viele kritischere Fragen und wollen verstehen, wie Geldanlage funktioniert. Das ist eine positive Entwicklung. Problematisch wird es dort, wo komplexe Themen radikal vereinfacht werden oder Interessenkonflikte im Spiel sind – etwa, wenn Empfehlungen vor allem darauf zielen, Provisionen einzustreichen. Vereinfachte Botschaften können eine Zeit lang funktionieren, bis das echte Leben dazwischenkommt: Steuerregeln, Gesetzesänderungen oder persönliche Lebensumbrüche. Wer seine Finanzstrategie ausschließlich auf Social Media Tipps aufbaut, läuft Gefahr, sich auf Sand statt auf Fundament zu stellen. Finfluencer können sensibilisieren – sie ersetzen aber keine fundierte, unabhängige Finanzplanung.

Finanzbildung in Deutschland: Detailwissen ohne solides Fundament

In vielen Gesprächen und Studien zeigt sich: Die Finanzbildung in Deutschland wird zwar besser, bleibt aber lückenhaft. Viele kennen sich erstaunlich gut mit Bitcoin, Krypto oder einzelnen Aktien aus, können aber keine Zinsen berechnen, den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte einschätzen oder die Grundlogik der Altersvorsorge erklären. Deutschland liegt im europäischen Vergleich im oberen Drittel, aber eher am unteren Rand dieses Feldes. Es fehlt vor allem an neutral vermitteltem Grundlagenwissen: Wie funktioniert unser Rentensystem? Was bedeutet Umlageverfahren im Vergleich zur kapitalgedeckten Vorsorge? Wie baue ich ein robustes, breit diversifiziertes Portfolio auf? Und vor allem: Wie erkenne ich Interessenkonflikte bei Finanzprodukten? Genau hier setzen viele Initiativen und auch unabhängige Experten an, die fordern, dass Finanzbildung stärker staatlich unterstützt und aus einer neutralen Perspektive vermittelt wird – ohne verstecktes Verkaufsinteresse für bestimmte Produkte.

Rente, Generationenvertrag und Altersvorsorge: Warum junge Menschen früh handeln müssen

Beim Thema Altersvorsorge führt kein Weg an der nüchternen Realität vorbei: Das deutsche Rentensystem ist umlagefinanziert, die arbeitende Generation zahlt die Renten der aktuellen Rentner. Mit der geburtenstarken Boomer-Generation, die nun in großer Zahl in Rente geht, gerät dieses System weiter unter Druck. Eine kleinere jüngere Generation kann dauerhaft keine immer größer werdende Rentenlast schultern. Kapitalgedeckte Vorsorge – also der langfristige Aufbau von Vermögen in Depots, Fonds, ETFs und betrieblichen oder privaten Lösungen – wird damit vom optionalen Extra zur Notwendigkeit. Genau deshalb werden sich in zehn oder fünfzehn Jahren nicht nur 40-Jährige, sondern auch 18- oder 20-Jährige viel intensiver mit ihrem finanziellen Fundament beschäftigen müssen. Je früher jemand anfängt, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt: Wer mit 18 schon 100 Euro im Monat in einen langfristigen ETF-Sparplan für die Rente investiert, braucht später deutlich weniger Druck und Kompromisse. Die größte Rendite kommt eben nicht nur vom Produkt, sondern von der Zeit.

Ganzheitliche Finanzplanung: Ziele, Lebensphasen und Emotionen

Professionelle Finanzplanung beginnt nicht mit einem Produkt, sondern mit einem Gespräch. Ein Certified Financial Planner startet mit Fragen: Welche Erfahrungen hat die Person bisher mit Geldanlage gemacht – positiv oder negativ? Welche Ziele gibt es wirklich: Eigenheim, frühere Rente, Ausbildung der Kinder, finanzielle Freiheit, Absicherung der Familie? Welche Zeiträume sind damit verbunden? Erst wenn diese Eckpfeiler stehen, lässt sich eine Strategie entwickeln, die zur Lebensrealität passt. Ein klassischer Fehler ist, ein langfristig angelegtes Altersvorsorge-Depot nach ein paar Jahren für ein neues Auto oder eine spontane Investition anzutasten. Damit wird genau der Zinseszinseffekt zerstört, der später die große Wirkung entfalten sollte. Professionelle Finanzplanung heißt deshalb, zielkongruent zu arbeiten: für jedes Ziel das passende Vehikel, den richtigen Zeithorizont und die passende Risikostruktur, sachlich geplant – auch wenn Geld oft emotional aufgeladen ist.

Podcast „Finanzperspektiven“: Tiefe statt Schlagzeile in der Finanzbildung

Weil viele Finanzformate stark nachrichtengetrieben sind und selten über die Oberfläche hinausgehen, hat CFP Marcel seinen eigenen Podcast „Finanzperspektiven“ gestartet. Sein Anspruch: kein Börsen-Ticker, kein Tageslärm, sondern Grundlagen und Hintergründe, die bleiben. In den ersten Folgen geht es etwa um Portfoliotheorie – also die wissenschaftlichen Grundlagen, nach denen auch Banken und professionelle Portfoliomanager arbeiten – oder um Themen wie Testament, Erbschaftsplanung bei Patchwork-Familien und die Entstehung des Euro. Statt reißerischer Titel und Alarmismus setzt der Podcast auf fundierte Interviews mit Fachexperten, sorgfältig vorbereitet und klar strukturiert. Die Themen stammen direkt aus dem Beratungsalltag und dem, was Mandanten wirklich beschäftigt. So entsteht ein Format, das genau die Lücke schließt, die viele spüren: Vertiefende Finanzbildung, die verständlich bleibt, ohne zu vereinfachen, und die den Blick auf das große Ganze der eigenen Finanzplanung öffnet.

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