Das Sterben der Sprecherbranche
Was passiert, wenn aus einer lukrativen Nische plötzlich ein Massenmarkt wird und danach auch noch KI Sprachgeneratoren alles auf den Kopf stellen? In dieser Folge spreche ich aus erster Hand darüber, wie die Sprecherbranche zwischen 2018 und 2020 zur Goldgrube wurde, warum der Podcast Boom und die Corona Zeit den Markt mit neuen Stimmen fluteten und wieso KI Stimmen heute viele klassische Sprecherjobs bei Imagefilm, Erklärvideo, Werbespot oder Telefonansage ersetzen. Du bekommst einen klaren Blick darauf, wie Angebot und Nachfrage kippten, welche Jobs besonders betroffen sind und warum sich für viele Newcomer das Sprecher-Dasein am Ende nicht mehr gerechnet hat.
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Zwischen 2018 und 2020 war die Sprecherbranche für viele eine echte Goldgrube: Imagefilme, Erklärvideos, Werbespots, Telefonansagen und Podcasts wurden im großen Stil produziert und brauchten passende Stimmen. Doch was zunächst wie ein simples Geschäftsmodell wirkte, hat sich in wenigen Jahren komplett gedreht, erst durch Corona, dann durch KI Sprachgeneratoren.
Der Kern des damaligen Booms war schnell erklärt: Immer mehr Unternehmen haben online Inhalte produziert und damit stieg die Nachfrage nach professionellen Sprachaufnahmen. Für Sprecherinnen und Sprecher bedeutete das: Castings, E-Mails an Agenturen und Produktionsfirmen, ein kurzer Recording Slot und dafür oft ein paar hundert Euro. Der Podcast beschreibt diese Zeit als Phase, in der schon eine Viertelstunde Aufnahme für viele ein lukratives Modell war, vor allem in Bereichen wie Imagefilm, Erklärvideo und Werbespot.
Der alte Inner Circle: Hohe Gagen, Profistudios und bekannte Stimmen
Traditionell war die Sprecherbranche lange ein kleiner Inner Circle. Gebucht wurden vor allem bekannte Stimmen, oft aus Schauspiel und Synchron, die im Profistudio für mehrere hundert oder sogar tausende Euro aufgenommen haben. Diese Struktur hatte eine klare Logik: wenige Namen, hohe Preise, feste Wege über Agenturen. Genau dieses System geriet später als erstes unter Druck, weil der Markt sich öffnete und die Menge an verfügbaren Stimmen explodierte.
Corona als Wendepunkt: Schauspieler, LinkedIn und ein überlaufener Sprechermarkt
Im Jahr 2020 kam die Zäsur. Durch die Corona Zeit verloren viele Schauspielerinnen und Schauspieler Jobs und suchten neue Einnahmequellen, unter anderem als Sprecher oder Sprecherin. Der Podcast liefert dazu eine eindrückliche Szene: Eine einzige LinkedIn Anzeige, mit der Sprecherinnen und Sprecher für Podcast Produktionen gesucht wurden, musste nach 15 Minuten offline gehen, weil über 100 Bewerbungen eingingen. Der Markt wurde schlagartig eng und die Konkurrenz stieg massiv, nicht nur durch Profis, sondern auch durch Menschen, die sich neu ausprobierten.
Podcast Boom und Mikrofon zu Hause: Warum so viele Laien Sprecher werden wollten
Parallel zum Corona Effekt kam der Podcast Boom. Plötzlich hatte gefühlt jeder ein Mikrofon und den Gedanken: Das kann ich auch. Hörbücher, Telefonansagen und einfache Sprachaufnahmen wurden zur Nebenverdienst-Fantasie und zogen zahlreiche Newcomer an. Eine Anekdote bringt das auf den Punkt: Selbst die Vermieterin aus Berlin fragte nach einem Sprecherjob, nachdem sie in eine Sprecherausbildung investiert hatte, weil sie gehört hatte, man könne damit gerade richtig viel Geld verdienen. Wenn sogar im Hausflur vom Sprecherbusiness die Rede ist, weiß man: Der Trend ist im Mainstream angekommen.
Wenn zu viele Stimmen auf zu wenige Aufträge treffen: Die Sprecherblase platzt
So ein Boom hat allerdings zwei Seiten. Obwohl immer mehr Online Inhalte entstanden, wuchs die Anzahl der Sprecherinnen und Sprecher noch schneller. Die Folge: Die Aufträge reichten nicht mehr aus, Preise gerieten unter Druck und der alte Marktmechanismus kippte. Im Podcast wird beschrieben, wie gerade die Sprecher der alten Schule Alarm schlugen, weil niemand mehr bereit war, für zwei Minuten Sprachaufnahme 500 Euro zu zahlen. Als Reaktion versuchten Teile der Branche, über Zusammenschlüsse und Preisabsprachen die hohen Gagen zu verteidigen, was zu offenen Grabenkämpfen mit Agenturen und Produktionsfirmen führte.
KI Sprachgeneratoren wie Eleven Labs: Der finale Druck auf einfache Sprachaufnahmen
Die zweite, noch stärkere Welle kam mit KI. Seit KI Sprachgeneratoren wie Eleven Labs immer populärer werden, hat sich der Markt für einfache Sprachsynthese rasant entwickelt. Für viele Anwendungen, etwa ein simples Erklärvideo oder ein standardisierter Imagefilm, reicht inzwischen eine KI Stimme, die zuverlässig erklärt, was im Video passiert. Der Podcast bringt es pragmatisch auf den Punkt: Es gibt einen Markt für hohe Kunst und einen Markt für einfache Sprachsynthese. Und wer nur eine funktionale Stimme braucht, greift heute oft zur KI, ohne dass man das moralisch aufladen muss.
Was heute bleibt: Profis, Stammkunden und ein realistischer Blick aufs Sprecher Sein
Viele Newcomer aus den Jahren 2020 bis 2022 sind inzwischen wieder in anderen Jobs, weil es sich finanziell nicht mehr rechnete. Übrig bleibt häufig wieder der etablierte Inner Circle mit hochbezahlten Sprecheraufträgen, plus eine kleinere Gruppe Geduldiger, die sich einen festen Stamm an Auftraggeberinnen und Auftraggebern aufgebaut hat und als Sprecherin oder Sprecher weiterhin nebenberuflich verdient. Die große Lehre aus dieser Entwicklung: Wer langfristig bestehen will, braucht mehr als ein Mikrofon, nämlich Positionierung, Beziehungen, Verlässlichkeit und einen klaren Platz im Markt, gerade in Zeiten von KI und starkem Wettbewerb.
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