Feministisch katholisch jetzt: Wie die katholische Kirche mit ihrem Podcast neue Wege geht

Feministisch und katholisch, das klingt für viele erst einmal wie ein Widerspruch. In dieser Podcastfolge von “Hier spricht Kurt”, dem Content Marketing Podcast, geben Jonathan und Ronja Einblicke in ihr Projekt “feministisch katholisch jetzt” und zeigen, warum genau diese Spannung produktiv sein kann. Es geht um Geschlechtergerechtigkeit, Gleichstellung und die Frage, wie Kirche heute als ernstzunehmender Player in Social Media auftreten kann, ohne sich zu verbiegen.

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Jonathan und Ronja sind hauptamtliche Mitarbeitende der katholischen Kirche im Erzbistum Freiburg. Jonathan arbeitet als Pastoralreferent unter anderem in der Männerarbeit und in der Queer Pastoral, Ronja ist Referentin für Frauenpastoral und junge Erwachsene und begleitet unter anderem die Arbeit des kfd, eines katholischen Frauenverbands.

Die katholische Kirche ist eine riesige, historisch gewachsene Organisation mit klaren Hierarchien, und genau darin liegt für viele Mitarbeitende ein tägliches Spannungsverhältnis. Jonathan beschreibt es als Mischung aus Gestaltungsspielraum und Reibung: Einerseits ist da die Nähe zu Menschen, Begleitung, Seelsorge und echte Wirkung vor Ort. Andererseits treffen moderne Anliegen wie Feminismus, Diversität oder Queer Pastoral auf Strukturen, die oft patriarchal geprägt sind. Ronja bringt es auf den Punkt: Es gibt nicht “die eine Kirche”, sondern viele Menschen, Länder und Realitäten, die gleichzeitig existieren, was es spannend macht, aber nicht immer einfach.

Wie der Podcast entstand: Eine Initiative innerhalb der Kirche, nicht gegen sie

“feministisch katholisch jetzt” ist nicht als offizielle Ansage “der Kirche” gestartet, sondern als Initiative innerhalb der Erzdiözese Freiburg, entwickelt aus einer Kampagne des Referats Frauen, Männer, Gender. Das war wichtig für die Einordnung: Es ist kein Projekt, das sich abgrenzt, sondern eines, das innerhalb kirchlicher Strukturen eine Stimme schafft. Gleichzeitig zeigt die Entstehung auch, wie Kirche funktioniert: Absprachen und Rückkopplungen bis in höhere Ebenen gehören dazu. Gerade bei sensiblen Begriffen wird genau hingeschaut, ob es eine Kampagne der Erzdiözese ist oder eine Kampagne in der Erzdiözese.

Alltag im Seelsorgeamt: Workshops, Weiterbildung und echte Praxisfelder

Jonathan und Ronja sind keine Full Time Podcast Hosts, sondern hauptamtliche Mitarbeitende im Seelsorgeamt. Ihre Arbeit ist vielfältig: Ronja unterstützt unter anderem den kfd, einen katholischen Frauenverband, und entwickelt Veranstaltungen, Workshops und Bildungsmaterialien zu Gleichstellung, Diversität und Geschlechtergerechtigkeit. Jonathan arbeitet in der Männerarbeit und in der Queer Pastoral. Dabei geht es um Sozialisation, Geschlechtervielfalt und die Frage, wie Menschen in Kirche und Gesellschaft gute, reflektierte Rollenbilder entwickeln können. Beide verstehen sich stark als Weiterbildende und Multiplikatoren, also als Menschen, die andere befähigen, vor Ort wirksam zu werden.

Männerarbeit in der Kirche: Heilsam, körperlich, und heute hochaktuell

Ein besonders greifbares Beispiel ist Jonathans Feld: Männerarbeit im Erzbistum Freiburg gibt es seit rund 20 Jahren. Früher standen oft naturbezogene, ganzheitliche Angebote im Vordergrund, mit Körperarbeit und Musik, die Männer als “wohltuend” und teils “fast therapeutisch” erlebt haben. Heute verschiebt sich der Fokus stärker Richtung Ausbildung: Männer werden weitergebildet, damit sie selbst als Multiplikatoren Angebote gestalten. Der Hintergrund ist offensichtlich: Die Auseinandersetzung mit Männlichkeit, auch mit problematischen Formen von Männlichkeit, ist gesellschaftlich brisant, und Kirche kann hier Räume öffnen.

Kirche in Social Media: Zwischen Datenschutz, Gesichtern und dem Kampf um den Ton

Warum gibt es vergleichsweise wenige offizielle kirchliche Social Media Accounts, die wirklich nahbar wirken? Jonathan nennt zwei Gründe, die viele aus anderen Organisationen kennen: erstens Vorsicht durch Datenschutz und rechtliche Fragen, zweitens die Logik der Plattformen selbst. Social Media lebt von Personen, Profilen und Wiedererkennung. Da bräuchte es, zugespitzt gesagt, “einen Bischof, der wirklich medienaffin ist” und sich mit Charisma vor die Kamera stellt. Wenn das nicht passiert, bleibt Kommunikation oft bei Stabsstellen, professionell, aber distanzierter. Gleichzeitig warnen beide vor problematischen Trends: polarisierende Inhalte, Backlash und fundamentalistische Strömungen, etwa über das Wiederaufwärmen traditioneller Rollenbilder. Umso wichtiger sei es, als Kirche auffindbar zu sein und diskriminierungsbewusst gegenzuhalten, statt das Feld anderen zu überlassen.

Gleichberechtigung ist kein Wohlfühlthema: Warum der Podcast in die Tiefe geht

Ronja sagt einen Satz, der hängen bleibt: “Gleichberechtigung klingt immer so schön, aber da sind einfach ganz viele Themen mit dabei, die nicht schön sind.” Genau diese Haltung prägt den Podcast. Es geht nicht um schnelle Pointen, sondern um Tiefe, Biografien und Erfahrungen, auch um harte Realitäten wie Gewalt gegen Frauen, dann ausdrücklich mit Content Warnung. Jonathan betont, wie viel Mut es kostet, wenn Betroffene von Diskriminierung oder Ausgrenzung ihre Geschichte erzählen, etwa trans Menschen oder Personen jenseits heteronormativer Vorstellungen. “Das erfordert viel Kraft”, sagt er, und genau dafür will der Podcast Raum schaffen, damit Stimmen hörbar werden, die sonst zu oft übergangen werden.

Ausblick: Diskriminierung, Rassismus, Klassismus und die Frage, wie einladend Kirche sein will

Nach rund 20 Folgen ist klar: Themenmangel gibt es nicht. Auf der Liste stehen weitere Felder wie Kirche und Rassismus, Klassismus, der Umgang mit Behinderung und ganz grundsätzlich die Frage nach Hürden in kirchlichen Strukturen. Kontroversen seien bisher nicht deutlich bei ihnen angekommen, sagen beide, aber manchmal kommt eine Debatte auch zeitversetzt, wenn eine Folge einen Nerv trifft. Und genau darin liegt die Chance: Ein Podcast, der sich Zeit nimmt, kann Geschichten so erzählen, dass sie nicht nur informieren, sondern Denken in Bewegung bringen, in Kirche wie in Gesellschaft.

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